Unser Konzept
Warum Waldkindergarten?
Overview :
Der Waldkindergarten bietet für alle Bildungsbereiche eine Vielfalt an Fördermöglichkeiten ohne dass es dem Kind die Freiheit nimmt sich individuell zu entwickeln – Wasser muss man nicht zwingen den Abhang hinunter zu fließen (vgl. J. Amos Comenius).
Das Leben der Kinder hat sich im Vergleich zur früheren Zeit grundlegend verändert. Der Medienkonsum der Menschen steigt und viele Aktivitäten spielen sich in geschlossenen Räumen ab. Viele davon sind vorgefertigt und die Möglichkeit eigener Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung werden immer geringer.
Die Kinder erfahren so:
- Bewegungsmangel
- Werteverschiebungen
- Entfremdung von der Natur
Durch den Waldkindergarten relativiert sich diese schwierige Entwicklung der Gesellschaft. Die Kinder genießen den Freiraum, den die Natur zum Spielen bietet. Die Kreativität und die Fantasie werden stark angeregt und gefördert.
Bildungsbereiche
Die Sozialkompetenz ist eines der wichtigsten Ziele in Kindergärten und anderen Einrichtungen. Kinder sollen lernen Kontakte zu knüpfen, zuzuhören, sich durchzusetzen, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen. Ebenso sollten Eigenverantwortung und Bereitschaft zur Rücksichtnahme erlernt werden. Der Waldkindergarten bietet besondere Möglichkeiten zum Erlernen dieser Verhaltensregeln. Er schafft die Balance zwischen Regeln und individuellem Freiraum für die Kinder. Auch der Sinn der Regeln wird den Kindern näher gebracht. Somit können sie Regeln besser verstehen und sie umsetzen. Z.B. Beim Klettern haben Kinder die Hände frei- Verletzungsgefahr, ansonsten sollen und dürfen die Kinder Stöcke zum Spielen benutzen.
Kleingruppen und gute Kommunikation mit den Erzieher/innen erleichtern die Möglichkeit der frühen und konstruktiven Konfliktlösung. Die Kinder übernehmen Verantwortung im Alltag und fühlen sich ernst genommen. Auch an den Kennlerntagen der neuen Kinder im werden Kleingruppen gebildet, deren Inhalt sich an den Bedürfnissen und Entwicklungsstand der Kinder orientiert. (z.B. von der Raupe zum Schmetterling mit den Vorschulkindern in komplexerer Form als mit unseren Dreijährigen)
In der Natur gibt es viele natürliche Sprachanlässe. Das Kind spricht gerne über den Mistkäfer oder das Buschwindröschen, welches es gerade beobachtet hat. Die Erzieher/innen laden gerne zu Gesprächs- und Beobachtungskreisen nach Wanderungen ein, nachdem Wanderungen gemacht wurden. Durch das abwechslungsreiche Umfeld „Wald“, erweitert das Kind seinen Wortschatz und spricht in einer sicheren Umgebung mit den Vertrauenspersonen. Durch die Ruhe des Waldes, hat jedes Kind Gelegenheit sich mitzuteilen, sodass auch „ruhigere“ Kinder gehört werden.
Ohne künstliche Klettergerüste, lernen die Kinder im Wald zu klettern, balancieren, krabbeln, laufen, hüpfen und springen.
Wir legen im Kindergarten großen Wert auf gesunde Ernährung, damit die Kinder sich gut entwickeln können und früh ein Bewusstsein für ökonomische und gesunde Ernährung entwickeln.
Desweiteren thematisieren wir im Herbst sog. „Warme Kost“ und „Kalte Kost“ nach chinesischer Lehre. (z.B. Banane kühlt aus, Kräutertee ohne Minze wärmt)
Die Kinder entwickeln ein Gespür für den Wert der Natur. Sie lernen den Wald zu schützen und die Ressourcen mit Bedacht einzusetzen. (Gemüse wird geerntet, jedoch nur, wenn es verarbeitet und gegessen wird). Ziel ist es ein Gefühl für die Ressourcen unserer Welt zu entwickeln. Die Kinder pflanzen Gemüsesorten im Beet am Bauwagen/im Außengelände an und pflegen sie. Sie entwickeln den Pflanzen gegenüber Wertschätzung und Respekt.
Die Kinder lernen verschiedene Pflanzen kennen, die zu den unterschiedlichen Vegetationsschichten des Waldes gehören. Das Moos z.B. bietet einen guten Wasserspeicher für den Wald. In einer körperlichen Darstellung machen wir den Kindern diese Eigenschaft deutlich. Auch gut Darstellen lässt sich das Aufblühen des Buschwindröschens. Die Kinder versetzen sich in die Blüten und zeigen, wie sie sich öffnen und schließen.
In Form von Rollenspielen und dem Schauspiel „Vogelhochzeit“ werden den Kindern das Balzverhalten der Vögel und dessen Konsequenzen näher gebracht. Die Kinder können daraufhin die Nistkästen neben unserem Bauwagenplatz beobachten und sehen, ob sich dort eine Vogelfamilie gebildet hat.
Alles in Allem werden die Kinder im Alltag immer wieder für die Natur und ihre Sinnzusammenhänge sensibilisiert.
Die Kinder werden von Beginn des Kindergarteneintritts auf die Schule vorbereitet. Ihrem Entwicklungsstand angemessene Clubs finden einmal die Woche statt, die auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder, im Rahmen der altershomogenen Kleingruppen, eingehen. In den Clubs finden Angebote statt, die sich auf die Interessen der Kinder beziehen. (z.B. die drei- bis vierjährigen Waldmäuse sammeln gerne „Waldschätze“, welches gleichzeitig an Beobachtungen und ihrem Entwicklungsstand festzumachen ist. Aus den gesammelten Schätzen legen wir anschließend ein Mandala. Weiteres Bsp. die fünf- bis sechsjährigen Füchse gestalten ihr Herbarium im letzten Kindergartenjahr mit einigen Pflanzen. Sie pressen, kleben und malen aus)
Außerhalb des Clubtages finden im Alltag auch altersgemischte Kleingruppen statt: Die jüngeren Kinder (Waldmäuse und die vier- bis fünfjährigen Eichhörnchen) profitieren von den älteren Kindern (Füchse). Die Älteren übernehmen Verantwortung und Fürsorge für die Waldmäuse und stehen ihnen als Paten zur Verfügung.
So werden die Kinder schonend und langsam auf die Schule vorbereitet und wachsen in verantwortungsvolle Aufgaben hinein. Sie können in ihrer eigenen Geschwindigkeit lernen und sich entwickeln, um die Schulreife zu erlangen.
Zu den sieben Sinnen gehören das Tasten, Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, der Gleichgewichtssinn und die Körperwahrnehmung. Das direkte Erleben der Natur im Wechsel der Jahreszeiten bietet Sinneserfahrung pur.
Die Kinder sehen, erleben, berühren alles um sich herum. Sie riechen den Wald, die Wiesen und Erde, sehen Licht und Schatten, erleben Wind, Regen, Kälte und Wärme.
Die Unebenheiten des Bodens, stellen eine hohe Anforderung an den Gleichgewichtssinn dar.
Die Stille der Natur regt Kinder an inne zu halten und auf die besonderen Klänge zu hören: Den Vogelgesang, das Rauschen des Windes in den Bäumen, das Summen der Insekten…
Diese Sinneseindrücke werden im Naturkindergarten sinnvoll verknüpft und bieten somit eine gute Grundlage für das frühkindliche Lernen der Kinder.
Ein Tag im Wald
Der Alltag der Waldwichtelgruppen spielt sich im Rheinbacher Stadtwald ab. Insgesamt haben wir acht Spielstätten, die wir als Spiel-, Angebots- und Frühstücksorte nutzen können. Die Stadt und unser Förster Herr Tölle informieren uns regelmäßig über Besonderheiten und Änderung in der Ortsnutzung des Waldes. Das Mischwaldgebiet verfügt über mehrere Weiher, Bachläufe und anliegende Felder.
Die Waldgruppen verfügen über insgesamt fünf Bauwagen, von denen einer für die U3-Betreuung angeschafft wurde. Sie verfügen alle über eine ordnungsgemäß angebrachte Gasheizung. Diese werden in regelmäßigen Abständen gewartet. Spiel- und Gartenmaterialien, wie auch Bücher und pädagogische Unterlagen finden im Bauwagen ihren Platz.
8:00 und 8:30 werden die Kinder von ihren Eltern zum Parkplatz am Waldrand gebracht (an der Stadthalle in Rheinbach). Zwei Erzieher gehen mit den Kindern um 8:00 zu den naheliegenden Frühbetreuungs-Spielstätten. Diese liegen am Waldrand, damit die späte Gruppe um 8:30 sie schnell aufsuchen und der Tag starten kann.
9:00 beginnt der Tag mit einem Morgenkreis, indem wir uns gemeinsam begrüßen und die fehlenden Kinder aufzählen und warum sie nicht da sind (Gruppengefühl stärken). Wir singen Lieder oder sprechen gelernte Gedichte. Anschließend besprechen wir den Tagesablauf, der individuell auf die Kinder und Situation abgestimmt und gestaltet wird. Entweder suchen wir nun eine der zahlreichen Spielstätte auf oder wir wandern eine den Kindern angemessene Strecke durch den Wald.
9:20 beginnen die pädagogischen Angebote. Diese finden themenbezogen in einer altershomogenen oder –heterogenen Struktur statt. Sie richten sich nach den Interessen und Entwicklungsstand der Kinder.
z.B. „Naturbeobachtungen Frühlingsblüher mit anschließendem Malen der Pflanze“ , „Schnecken beobachten und aus Ton herstellen“ , „Flöten raspeln und darauf ein Lied spielen“, „Seilkonstruktionen bauen und klettern.
10:15 beginnt die sogenannte „Pipizeit“ der Kinder. Dafür gibt es, im Team ausgesuchte Stellen, im Wald. Diese werden regelmäßig gewechselt und sind klar abgegrenzt zu den Spielbereichen. Die Kinder erhalten von den Erziehern Hilfestellungen. Für „Notfälle“ haben wir auch immer Wechselwäsche dabei.
10:30 findet die „Waschstraße“ statt. Wir benutzen zum Hände waschen einen Wassersack, der morgens von den Eltern mit heißem Wasser befüllt wird. Jede Woche wird der Wassersack von einer anderen Familie befüllt. Als Seife verwenden wir natürlich abbaubare Lavaerde. Jedes Kind benutzt sein eigenes Handtuch, dass es von Zuhause mitbrint. Es wird nur einmal verwendet und danach gewaschen.
10:45 starten wir unser gemeinsames Frühstück. Beim Verzehr des ersten Brotes wird inne gehalten, um den Geräuschen des Waldes zu lauschen. Danach können die Kinder sich mit ihren Sitznachbarn unterhalten. Anschließend wird eine passende Geschichte vorgelesen. Das Frühstück dient als Entspannungspause und gibt Raum die Stille des Waldes zu genießen und die innere Ruhe zu spüren.
11:30 nach dem Frühstück genießen die Kinder das Freispiel und es ist Platz für kreative Spielideen. Die Kinder bauen Indianerzelte, balancieren, klettern, mit Blättern und Waldfrüchten „kochen“ oder sammeln Schätze für eine Ausstellung.
12:45 verabschieden wir uns in den Waldwichtelgruppen im Abschlusskreis mit einem Lied voneinander und gehen gemeinsam zurück zum Parkplatz. Dort warten die Eltern auf ihre Kinder.
13.00 Die Kinder werden einzeln verabschiedet, um sicherzustellen, dass jedes Kind von seinen Erziehungsberechtigten entgegen genommen wird.
Nachmittagsbetreuung (Mo, Die, Mi, Do)
13.30 gehen die Kinder in die „Pipizeit“ mit anschließender Waschstraße (wie am Vormittag)
14:00 jedes Kind holt seinen eigenen Thermosbehälter mit warmen Essen aus dem Rucksack und stellt sich vor dem Bauwagen auf. Das Essen wird von den Eltern zuhause nur für das eigene Kind zubereitet. Besteck und Thermosbehälter werden zuhause gespült und nur für das eigene Kind genutzt.
14:30 beginnt eine Ruhezeit für die Kinder. Sie können im U3 Bauwagen schlafen, Bücher schauen, Pricken – ihren persönlichen Bedürfnissen nachkommen
15:00
- am Dienstag und Donnerstag werden die Kinder nun abgeholt
- am Montag und Mittwoch beginnt eine Freispielzeit an einer Spielstätte im Wald oder eine Angebotszeit
Ausrüstung
Hosen
Wetter entsprechende Buddelhose (großzügig über die Jeans/ Leggins bzw. Anorak passend)
Jacken
Goretex – Jacke mit Fleece – Innenjacke; oder:
Regenjacke, großzügig über die Winterjacke passend
Regenhut
Regenhut für starken Regen (mehr Bewegungsfreiheit als mit der Kapuze)
Fingerhandschuhe
wasserdichte Fingerhandschuhe und/oder Fäustlinge oder wasserdichte Buddelfäustlinge über Fleece – Fingerhandschuhen, die man bei 60°C waschen kann und Ersatzhandschuhe (Nov. – April)
Frühstücks- handschuhe
waschbare Fingerhandschuhe, die nicht fusseln (Baumwolle)
Schuhe
Goretex – Schuhe, knöchelhoch, mit Zehenfreiheit (für dicke Socken)
Namensschildchen
Namensschildchen für alles, was verwechselt werden kann, also insbesondere für Buddelhandschuhe, Regenmützen, Isomatte, Jacke, Rucksack (z.B. mit wasserfestem Stift oder auf Klebefolie)
Frühstücksbox
Frühstücksbox mit dem täglichen Frühstück, Klappdose ohne abnehmbaren Deckel
Thermoskanne
0,5 l Thermoskanne mit Tee oder Wasser (ungesüßte Getränke)
Kleine Isomatte
kleine Isomatte (z.B. bei Globetrotter)
Rucksack
Rucksack mit Brustgurt und hinten zwei Schnallen (möglichst geräumig)
Kopfbedeckung
Mütze, Stirnband, Sommerkappe
Empfehlungen:
- Zeckenspray ~ vor dem Besuch
- Sonnencreme ~ des Kindergartens
- Insektenspray gegen Kriebelmücken ~ auftragen!
Für die Zeckenzeiten (ab 5°C):
- Strümpfe (lang genug) über Hosen ziehen
- langarmige Bekleidung (Sweatshirt)